Veranstaltungen

 

Datum

Di 31.7.2018

Info

oek. Gottesdienst zum Nationalfeiertag

Zeit

18.30 Uhr

Ort

Seebad Nottwil

   

Datum

Sa 4.8.2018

Info

Gottesdienst zu Maria zum Schnee

Zeit

09.00 Uhr

Ort

Schloss Tannenfels

 

 

Datum

Mi 15.8.2018

Info

Patrozinium Maria Himmelfahrt / Kilbi

Zeit

09.15 Fest-Gottesdienst

Ort Pfarrkirche / Pfarrsaal

 

 

Datum

Sa 25.8.2018

Info

Gottesdienst mit anschliessendem Raclette-Essen

Zeit

19.00 Uhr

Ort

Kapelle St. Margrethen

 

 

Gedanken

zum August 2018

 

Aktien

Über Geld spricht man nicht. Punkt! Nur, das geht momentan nicht. Da haben wir eine Verhaftung, welche die Branche durchschüttelt, dort den Kassier eines Verbands, der das Konto geräumt hat. Lieber redet man über "fremdes" Geld. Aktien scheinen ja neutral zu sein…

 Allenthalben macht man sich in öffentlichen Bereichen ans Budget 2019. Man "errechnet" die Investitionspläne und die Steuersätze. Was liegt drin, was nicht. Das Volk hat sich mit der Vollgeld-Initiative beschäftigt. Und die Sache mit dem neuen Geldspielgesetz ist vorderhand auch entschieden. Ein aktuelles Thema bleibt in manchen Kreisen der Bitcoin, eine Kryptowährung. Nicht umsonst sagt man: Geld regiert die Welt.

Geld stört auch die Welt. Die Lufthansa fliegt weiter auf Rekordkurs; wer Aktien hat – profitiert. Und wer keine hat? Nicht nur in der Fastenzeit, welche uns die globalen wirtschaftlichen Zusammenhänge näherbringt, frage ich mich: Macht Geld überhaupt Sinn, Franken, Dollar, Euro, Yen und Co.? Was ist der "Wert" der Aktien, dieser geschaffenen Strukturwelt, von der offensichtlich so viel abhängt und die derart dominiert? Denn gebetsartig erfährt man auf allen Medien-Kanälen laufend deren "Kurs". Ja, wieviel ist eigentlich der Boden wert? Die Arbeit? Die Unterhaltung? Die Kultur? Überhaupt ein Menschenleben?

Nun, über Geld und Aktien kann man sehr wohl nachdenken. Der Dalai Lama wurde einmal gefragt, was ihn am meisten überrascht, und er sagte: "Der Mensch. Denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht geniesst. Das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt."

Aktien haben das Ziel, Gewinn abzuwerfen. Ist das alles? Ich meine, Geld ist nicht neutral. Es hat einen anderen Zweck als nur den Selbstzweck der Bereicherung einer Person. Geld, Aktien und Investitionen sollen doch das Leben erleichtern, der Gemeinschaft dienen, haben auch eine soziale Komponente. Das Wort "Dividende" kommt ja aus dem Lateinischen und heisst "das zu Verteilende". Statt also Aktien zu verteufeln, fragt man wohl besser: Wie gehe ich sinnvoll um mit Geld? Wie, wo und was investieren wir? Wie und was ist allen auch in unseren Kirchen zu verteilen?

Die Bibel und die Botschaft Jesu haben durchgehend eine kritische Distanz zum Materiellen. Vom "Haben zum Sein" hat Erich Fromm diesen Weg beschrieben. So mag ich es allen gönnen, welche irgendwo "Gewinner" sind. Es freut mich, wenn Sie in diesen Sommertagen Zeit finden, mit Ihren Nächsten Ihre Beziehungs-Aktien zu prüfen. Froh bin ich, wenn Sie in Ihr Lebensbudget Zahlen einzutragen wagen, die Sie zusammen erreichen möchten. Und erst recht freut es mich, wenn Sie wirklich Wertvolles nicht verscherbeln. Gesunde Gottesaktien sind Gold wert

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

 

zum Juli 2018

 

So richtig dabei gewesen ist man immer erst in der Erinnerung

 

Die als Titel zitierten Worte von Ludwig Marcuse, beinhalten für mich eine tiefe Wahrheit. Im Rückblick wird einem oft erst bewusst wie schön die Ferien waren auf den Felsen über dem Meer, der Markttag in Pléneuf, der Blick auf das Dorf und die Klosterkirche von Mont-Saint-Michel. Ja, war das ein Sommerlager im Jahr 1982 mit rund 70 Jugendlichen in der Bretagne. Sie haben richtig gelesen, es war das Jahr 1982; also vor 36-Jahren. Wie ich darauf komme? Durch einen Zufall fiel mir in meiner Bibliothek ein «fast vergessenes» Fotoalbum in die Hände. Ich blätterte im Album, dabei sind viele Erinnerungen in meiner Seele aufgestiegen. Es war die Zeit meiner Tätigkeit als Jugendseelsorger im Freiamt und ich für die Planung und Durchführung des jährlichen Sommerlagers verantwortlich war. 

Jedes und jeder von uns trägt vielseitige Erinnerungen «im Herzen» – schöne, erlebnisreiche, tragische und schicksalhafte. Ja, es ist eine tiefe Wahrheit, dass oft erst in der Erinnerung das Erlebte, das Erfahrene, die wahre Bedeutung und die dankbare Wertschätzung bekommen. Nicht selten entsteht auch eine Sehnsucht, das Vergangene noch ein Mal zu geniessen – oder die Erkenntnis steigt in mir auf, wenn ich nochmals beginnen könnte, würde ich Einiges anders «anpacken». 

Unser Leben besteht aus verschiedenen Zeiten. Im alttestamentlichen Buch Kohelet 3,1–8 finden wir den Hinweis dazu. Denn alles hat seine Zeit! Nun beginnt für viele Menschen wieder die Ferienzeit: die Zeit des Reisens und die Zeit des Abenteuers, die Zeit des Entspannens und die Zeit des Abschaltens, die Zeit des Geniessens und die Zeit der Erholung, die Zeit der Stille und die Zeit des Gebets, die Zeit des Schweigens und die Zeit des Redens. Jeder Zeitabschnitt hat mal ein Ende und was bleibt ist die Erinnerung an all das Erlebte – oder vielleicht auch an das Verpasste. 

Ich weiss nur zu gut, ich kann nicht nur in den Erinnerungen schwelgen. Die Zeit der Gegenwart holt mich ein mit dem Alltäglichen. Jedoch das Geschehene in der Vergangenheit prägt meine Lebensgeschichte im Heute und im Morgen. Wie und wo Sie auch immer Ihre persönliche Zeit verbringen, es ist Ihr Leben, das Sie gestalten!

Das erwähnte Sommerlager liegt einige Jahre zurück. Gewiss, das Sommerlager in der Bretagne ist nur ein kleiner Zeitraffer aus meinen vielen Erinnerungen des Erlebten. Jedoch das Fotoalbum weckt in mir Erinnerungen an vergangene Zeiten, die nie mehr wiederkehren. Diese Erkenntnis macht mich dankbar für das Schöne, das mich mit einer Glückseligkeit erfüllt und ebenso für das Schwere, das mich im Leben gereift hat. So führt mich diese Erkenntnis näher zum Geheimnis des Lebens, das ein Geschenk und kein Besitz ist. 

Ja, das Leben bleibt ein Geschenk – und bringt mich näher zum Geheimnis Gottes. Diese Lebenserfahrung wünsche ich Ihnen in den Tagen der Ferienzeit, in den Tagen der Erinnerung. Besonders dann, wenn wir gemeinsam in unserem christlichen Glauben, in Erinnerung an Christus, das «Mahl des Lebens» feiern und seine Gegenwart mit seinen Worten ins Bewusstsein holen: «Tut dies zu meinem Gedächtnis» (Lk 22,19b).

Mögen Sie in all Ihren Erinnerungen – glücklichen und leidvollen – jene Kraft schöpfen, die Ihrem Leben stets einen tieferen Sinn gibt und hilft den «Weg im Heute und im Morgen weiterzugehen».

Heinz Hofstetter, Priester

 

 

 

zum Juni 2018

 

Mit Tanz und Gebet in die Sommerzeit

 

Wer kennt sie nicht, die herrlichen Bändertänze im Frühling im Luzernischen, im Baselbiet und anderswo. Gerade in diesem Jahr hat uns das Frühlingserwachen in der Natur mit seiner Fülle an Farbe und Duft reich beschenkt, ja richtig beschwingt. Viele Menschen, die sich begegneten äusserten sich staunend über die Pracht. Diese Zeichen in der Natur tun uns gut und weisen uns auch immer auf das Wunder der Schöpfung und den Kreislauf unseres Lebens hin. 

In der Ferienzeit können wir ausspannen, auftanken, Stille suchen, ob in der Ferne oder Daheim, sammeln neue Kräfte und entdecken, wie alles in der Natur wie ein herrlicher Tanz ist. Beim sakralen Tanz zentrieren wir uns auf eine Mitte zu, lassen uns mitschwingen und entfalten unsere Bewegung aus dem Zentrum und zu ihm zurück. Es scheint, Gott lehrt uns Menschen den Tanz, damit wir gemeinsam das Werk der Schöpfung vollenden. Ja, Tanz kann meditativ, ganzheitlich erlebbar werden im Alltag, Tanz kann Gebet sein! Schon in den alten Psalmen ist davon die Rede, z.B. im Psalm 18 heisst es: „Du schaffst meinen Schritten weiten Raum“ oder im Psalm 150 steht: „Lobt Gott mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel.“ Der Pfarrer und Dichter Wilhelm Bruners (*1940) sagt es so: “Nach morgendlichem Gang über die Psalmenbrücke drehe ich mich nicht mehr um die eigene Achse. Ich atme die alten Heilsworte in meine Tagängste und bin guter Hoffnung.“

So wie die herrliche Blütenpracht oder die Erfahrung des meditativen Tanzes Gottes Fülle geheimnisvoll erahnen lässt, so schenken es uns auch die liturgischen Festtage wie z.B. Pfingsten, Heilige Dreifaltigkeit und andere mehr. Schön, Gott in allen Dingen entdecken und finden zu dürfen. Ein solches inneres Eintauchen in unsere Heilsgeheimnisse der Kirche bewirkt offene Begegnung in der Bewegung und zwar von Gott her offenbarend zu uns Menschen und im Weiterschenken von uns zu den Mitmenschen. Es können bewegende, segensvolle Wege der Achtsamkeit entstehen im kleinen Alltag!

Diese Gedankenfacetten möchten einfach einladen, mit innerer, tänzerischer Leichtigkeit und Freude es zu wagen in der Sommerzeit die Seele mit Schönem zu füllen und in Bewegung zu bringen. Die Worte des Heiligen Augustinus (354- 430) können die Impulse ergänzend zusammenfassen. Er sagt uns auch heute: „Ich lobe den Tanz, denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge, bindet den Vereinzelten an die Gemeinschaft. Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!“ In diesem Sinne wünsche ich allen Engagierten und Angehörigen unserer Pfarrei eine bereichernde, erholsame Sommerzeit!

Sr. Marianne Rössle, Seelsorgerin

 

 

 

 

 

 

zum Mai 2018

 

Die Fassade bröckelt?

Der nach aussen sichtbare Teil eines Gebäudes nennen wir Fassade. Diese soll keine Attrappe, sondern echt sein und im Inneren halten, was sie verspricht. Auch auf Menschen und Gemeinschaften soll dies zu treffen.

Oft hören wir, dass die Fassade bröckelt. Beschrieben werden dann verschiedene Mentalitäten und Denkweisen, die abweichen oder nicht ins allgemeine Bild passen. Es kann vorkommen, dass imposante und teure Fassaden geschickt die innere Leere verdecken. Aktuelle Diskussionen in der EU etwa und auch in der Kirche lassen diesen Eindruck entstehen.

Viele sind stolz auf unsere ureigenen Werte, auf die direkte Demokratie. Doch beginnt die Fassade dort zu bröckeln, wenn es um reinen Profit geht. Die Kirche besitzt mit ihren Kraftorten und ihrer Liturgie immer noch eine grosse Strahlkraft. Aber die Fassade beginnt dort zu bröckeln, wo es um rechtlich abgesicherte Machterhaltung geht, wo der "Traum" unseres Herrn Jesus in klare Strukturen gegossen bleibt.

Offene Grenzen und eine einheitliche Währung wirken nicht nur politisch befreiend. Es ist noch nicht so lange her, da tobten grausame Kriege, verhärtete Ideologien machten Grenzen dicht. Die Fassade aber bröckelt, wenn offene Grenzen und die Einheitswährung die Reichen reicher und die Armen ärmer machen. Dahinter wird der blanke Nationalismus sichtbar, den man überwunden glaubte. Um die Amtskirche ist es ruhiger geworden. Selten mehr wird öffentlich debattiert wie bei den Aufbrüchen vor fünfzig Jahren. Eine vielversprechende Offenheit hielt Einzug. Die Suche nach neuen Seelsorgemodellen weht zwar noch durch die Kirchenmauern. Doch bröckelt die Fassade, wenn sich kein qualifiziertes Personal finden lässt und notwendige weitere Reformen bequem auf andere abgeschoben werden. Es bröckelt, wenn rechtliche Fragen biblische Inhalte zu verdrängen drohen.

Ich meine, "die Sache Jesu" ist von Anfang an etwas brüchig. Es brauchte stets Korrekturen. Dabei musste immer wieder zuerst das Innere geordnet sein. Die Feiern der Kirche um Ostern herum bieten auch heute ein gutes Rezept dazu. Doch kostet die Besinnung auf die Fundamente auch Zeit. Glücklich, wer sie aufbringt! Im Moment scheint es meist billiger, in Politik und Kirche die Fassaden zu verputzen und auszuflicken, statt einen schönen Anbau zu realisieren. Und einen Einsturz erachtet man sowieso als verheerender.

Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zeigte, was demgegenüber Weitsicht hiesse: "Wir haben zwar alle den gleichen Himmel, aber nicht den gleichen Horizont". Bereits in den letzten Kriegstagen im zerbombten Deutschland soll er im Gefängnis die Ministerliste für die künftige Regierung zusammengestellt haben. Ja, wo wäre die Welt heute, ohne solch visionären Weitblick vieler Wissenschaftler, Unternehmer, Politikerinnen und Kirchenleute? Im Kleinen wie im Grossen bröckelt vielfach die Fassade. Aber nur so wird wohl unser Einsatzgebebiet erkennbar. Nur so entsteht je Neues. Denn die Kirche Jesu Christi ist keine Attrappe, sie ist reale Vision. Sie ist echt und soll im Inneren halten, was sie nach aussen verspricht.

Hans Schelbert, Gemeindeleiter, Oberkirch/Nottwil

 

 

 

zum April 2018

 

 „Chasch mer säge, was d‘wotsch….“ 

Der „ungläubige“ Thomas

 Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört: “Das glaub ich nicht! Du kannst mir sagen, was auch immer Du willst!”

 Ein Blick in die Bibel zeigt uns, dass wir damit nicht alleine sind. Bei Joh 20,25 ist die Aussage von Thomas, als jener von der Begegnung der anderen Jünger mit dem Auferstandenen hört:  

 “Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

 Acht Tage später ist Thomas auch mit den anderen Jüngern zusammen, als Jesus zu ihm sagt: “Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!” (Joh 20,27). Ich erinnere mich an einen Abend, als ich mehr als zwei Stunden in den Fernseher starrte und immer wieder sah und Erklärungen hörte, wie die Türme des World Trade Centers einstürzten. Ich begriff (oder “glaubte”?) nicht, was geschah.

Warum also sollte ich Thomas als “ungläubig” bezeichnen? Ich verstehe ihn und seine anfänglichen Zweifel. Er hatte gehört, dass Jesus auferstanden war, aber er hatte Mühe damit, das zu verstehen. Jesus bietet ihm Glaubenshilfe an, in dem er sich bereit erklärt, berührt zu werden. Mehrere Maler haben dies wie folgt dargestellt:

 Das Bild von Caravaggio betrachte ich mit einer Mischung aus Verständnis und Befremden. Wer die Bibel aufschlägt, wird nämlich feststellen, dass dort gar nicht geschrieben steht, dass Thomas seinen Finger in die Wunden Jesu gelegt hat, sondern sogleich Jesus als seinen Herrn und Gott erkennt.

 Schliessen möchte ich mit dem Wunsch des Auferstandenen, als er am Ostermorgen in die Mitte der Jünger tritt, und bevor er sich an Thomas wendet: “Friede sei mit euch!”

Diesen Frieden wünsche ich uns allen.

Ursula Schwegler, Theologin u. Katechetin

 

 

 zum März 2018 

Mache Dich auf zu neuen Horizonten

 

Für 2018 hat sich unsere Pfarrei das Jahresthema: „neue Horizonte“ gegeben. Denn, nicht nur im eigenen Menschsein sind wir immer wieder (auf)gefordert „neue Horizonte“ anzupeilen, sondern auch als Pfarreigemeinschaft.

Vieles hat sich in vergangener Zeit in Gesellschaft und Kirche verändert und – wird sich weiter ändern. Diese Wandlungen (er)fordern einerseits immer wieder Flexibilität und Neuorientierung; erfordern anderseits aber auch Mut, Neues anzugehen oder anders gesagt: neue Ziele oder eben neue Horizonte, anzusteuern.

So lädt gerade die Fastenzeit wieder ein, innezuhalten zu einer persönlichen Sinnvertiefung des Lebens; macht Mut neue Wege einzuschlagen; sich Unbekanntem zu öffnen und – bietet gleichzeitig so die Chance, den eigenen Blickwinkel oder Lebenshorizont zu erweitern.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ja, was haben denn diese Worte mit der oben abgebildeten Kerze zu tun? Nun denn, dieses Aufbrechen „zu neuen Horizonten“ spiegelt sich auch im Motiv  der diesjährigen Osterkerze. Gerne, möchte ich Ihnen dazu meine Überlegungen zum selbst entworfenen Motiv, erläutern: Der untere längere Längsbalken auf der Kerze, stellt in seinen kräftigen Farben, die Erde und deren Schöpfung dar – der obere kürzere Balken weist in seinen Pastelltönen auf die Weite und Unendlichkeit des Himmels – der am Horizont (weiss dargestellt) beginnt oder endet.

Da wo sich Himmel und Erde am Horizont verbinden; da verbindet sich das Göttliche mit dem Menschlichen. Und – wir Christinnen und Christen deuten dieses Göttliche im Zeichen vom Kreuz. So steht das goldene Kreuz für Jesus Christus. Er, der das Schwache und Vergängliche unseres Menschseins angenommen und bis zum Tod am Kreuz gelebt hat; er, der uns in seiner Auferstehung den Himmel öffnet oder anders gesagt: den Horizont zu einem unvergänglichen Leben. Und – so leuchtet uns im Zeichen der Osterkerze Gottes Liebe entgegen; eine Liebe die stärker ist als der Tod und die neue Kraft; Hoffnung und Leben schenkt und bringt.

Im Kreuz verbinden sich Himmel und Erde – Die Osterfreude der Auferstehung bringt neues Leben – Mache Dich auf zu neuen Horizonten!

Mit diesen verheissungsvollen Worten wünsche ich Ihnen und uns allen eine stärkende und gesegnete Fastenzeit, verbunden mit vielen Horizont überschreitenden Begegnungen und Erfahrungen. Und – bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei all jenen Frauen, die so tatkräftig und fleissig beim Verzieren der neuen Osterkerzen, mithelfen.

 Anita Troxler

 

 

 

zum Februar 2018

 

„Werde Teil des Wandels

in einer Welt, in der alle genug zum Leben haben.“

 

Fastenprojekt 2018 - Kolumbien

 

für den Aufbau von nachhaltigen, ökologisch-sozialen Landwirtschaftsmethoden

 und Geschlechtergerechtigkeit; Konfliktmanagements und Friedeninitiativen werden dazu erarbeitet.

  

Ein wirklicher Wandel in unserer Welt setzt immer einen inneren Wandel im Kleinen voraus. Es braucht eine neue Beziehungskultur zur Schöpfung, zum Mitmenschen und zum Göttlichen und auch wesentlich – zur eigenen Person. Wir können uns fragen: Wie und wo bin ich verwurzelt im Leben? Ist mir alles selbstverständlich geworden, was ich habe, was ich bin?

Haltungen, die uns motivieren können zum konkreten finanziellen Unterstützen und Teilen: 

Dankbarkeit

Das Wunder des Lebens kann und muss uns immer wieder begeistern, auch in Verbundenheit mit der Schöpfung. Es lässt uns eine neue, eindrückliche  Dankbarkeit erfahren, was uns in vielen Augenblicken geschenkt ist: die Luft, die Pflanzen, die Mitmenschen. Aus der Tiefe der Dankbarkeit kann uns und jedem Mitmenschen eine Würde des Gebens und Nehmens geschenkt sein.

Sensibilität und Solidarität im Wahrnehmen des Weltschmerzes Ungerechtigkeit

 Obige Grundhaltung ist uns in vielfacher Hinsicht abhandengekommen in unserer heutigen Welt und Zeit. Wir wissen zu gut um:

 Zerstörung der Natur, auch um

 Ohnmacht, Wut und Schuld gegenüber

 dem vielfachen Verlust von Rechten auf Nahrung, Güter und Menschenwürde.

 Die Frage bleibt: Was können wir als Einzelne und als Pfarreigemeinschaft konkret tun?

Aufbruch zu tätiger und erfinderischer Liebe

§ Unser Leben ist eingebunden in ein ganzheitliches Da-Sein; jeder Mensch ist eingeladen, seine Talente neu zu entdecken und zu entfalten für den oder die anderen! Dieser Prozess, diese Entwicklung von Welt, Schöpfung,
     Menschsein heisst für uns alle, bewusst Mitverantwortung zu übernehmen, für uns hier bedeutet es sicher Engagement durch unsere grossherzige Spende!

§ Wer braucht mein Teilen?

§ Wie gestalte ich „mein Weniger“ für ein engagiertes „Überleben-Können“ meiner Mitmenschen in Kolumbien?

§ Wie lebe ich (m-)eine begeisternde Vision, die Hindernisse nachhaltig überwindet, damit weniger für uns und genug für ALLE Wirklichkeit werden kann in unserer einen Welt?

§ Brechen wir gemeinsam auf in der Pfarrei Nottwil und werden wir konkret „Teil des Wandels“ durch das Fastenprojekt 2018 – Kolumbien.

Im Namen des Pfarreiteams: Sr. Marianne Rössle, Seelsorgerin

 

 

 

 zum Januar 2018

 

Neue Horizonte

Dieses Thema wurde von Pfarreirat und Seelsorgeteam für die Pfarrei Nottwil für die kommenden zwei Jahre bestimmt. Besondere Anlässe im Pfarreileben sollen auf diesem Hintergrund vorbereitet und durchgeführt werden.

Horizonte sind mehr oder weniger klar erkennbar.

Da wo sich Himmel und Erde berühren, reden wir von Horizont. Diese Umrisse zeigen sich beim Blick zu den Bergen oder über den See. Je nach Standort kann diese Grenze unterschiedlich wahrgenommen werden. Auch im geistigen Bereich haben die Horizonte mit Grenzen zu tun. Wir reden von engem und weitem Horizont. Im Glauben schliesslich sind die Übergänge zwischen Wissen und Erahnen oft fliessend.

Aufbrechen zu neuen Horizonten

Aufbrechen kann, wer etwas neugierig ist, wer eine gewisse Sehnsucht kennt. Wer sich hin und wieder aufmacht, wird ein Stück Land hinter dem Berg oder über dem Meer entdecken können. Neues tut sich auf. Nicht dass er es selber erfinden müsste, nein, es ist bereits vorhanden. Der Bergsteiger oder Seefahrer darf es selber "erfahren" und davon berichten. Selbst wenn er dann lediglich selber bestätigen kann, was andere schon erzählten, so war sein Aufbruch nicht vergebens. Gewiss, oft bleibt einem nichts anderes übrig, als sich durch gewisse Ereignisse gezwungenermassen in eine neue Situation zu begeben. So ist jedes Aufbrechen irgendwie auch ein Abbrechen. Aber im Nachhinein entpuppt sich manche Not als ein Weiterkommen auf dem Weg, als eine Erweiterung des Horizontes. Freiwillig aufzubrechen heisst, den Glauben näher verstehen wollen, mit andern darüber zu reden, zu trösten und zu suchen. Eben Erfahrungen zu machen. Dass ein liebender und glaubender Mensch immer ein Wagnis eingeht, scheint in unserer abgesicherten Welt viel zu wenig beachtet.

Gott selber kommt uns entgegen

Erfahrung heisst im Lateinischen "experimentum". Auch versuchen, wagen, kennenlernen und erleben ist damit gemeint. Auf dem Weg zu neuen Horizonten wird dies alles mitspielen. Schritt für Schritt soll Vertrauen entwickelt und Neues erkundet werden. Im biblischen Sinne darf der Mensch die Verheissung des Abraham hören: Zieh in ein fremdes Land. Ich werde dich zum Segen machen. Wer aufbricht, tut es auf Gott in. Und es ist auch der grosse, geheimnisvolle Gott selber, der den Menschen anzieht. Gott kommt seinen Geschöpfen entgegen. Sein Geheimnis ist in die Seele der Menschen eingepflanzt, verbindet sie mit ihm auf ewig. Weihnachten zeigt es je neu.

Neue Horizonte ergänzen die alten

Gerade an der Schwelle von einem alten zu einem neuen Jahr nehmen wir wahr, wie die verflossenen Tage entschwinden und mit ihnen so manche Erlebnisse. Die Erinnerung behält manches noch wach. Das neue Jahr ist erst in den Konturen und gewissen Terminen präsent. Es zeichnet sich erst im Horizont ab. Manches hat weiter Bestand, etliches geht zu Ende, anderes wird erweitert und verändert. So lebt auch der Glaube. Ich jedenfalls freue mich, mit Ihnen hin und wieder aktiv aufzubrechen und auf dem gemeinsamen Weg etliches Neues zu erfahren. Und im Nichtstun, Arbeiten, Beten und Singen ihn zu finden, der uns jenseits aller Horizonte erwartet und entgegenkommt. Glück und Segen uns allen!

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

 zum Dezember 2017

 

Zeit zum Zufriedensein können

 

Liebe Leserin, lieber Leser

Freuen Sie sich auf den Advent und auf Weihnachten? Die Antworten sind meist dieselben; immer dieser Stress, die Eile und der Rummel um Weihnachten wird mir Zuviel usw. Unlängst habe ich mir wieder einmal ein Lied eines bekannten Liedermachers angehört:

Lieber Gott, uns fehlt die Zeit,
seufzen wir in Hast und Eile.
Wer ist heute noch bereit,
dass er sie mit andern teile.

Eine Klage an Gott, uns fehlt es an Zeit und an der Bereitschaft oder vielleicht auch der Möglichkeit, unsere sonst schon knappe Zeit mit unseren Nächsten zu teilen.

Lieber Gott, die Zeit verstreicht,
fängt an, knapp zu werden.
Keinen wüsst ich, dem sie reicht,
seine Zeit auf Erden.

Die Zeit verstreicht und oft höre ich besonders von älteren Leuten, die Zeit gehe wie im Flug vorbei. „Erst noch war ich in der Schule und nun bin ich alt geworden.“ Mit zunehmendem Alter befasst man sich vielleicht schon mit dem Ende und hat doch so viel noch vor, möchte so viel machen. Trotzdem haben wir keine Möglichkeit, unsere Zeit auf Erden zu verlängern.

Lieber Gott, uns fehlt die Zeit,
kommt der Schrei aus allen Enden,
stell uns mehr davon bereit,
gib mit vollen Händen.

In der Tat ein frommer Wunsch, wenn es nur so einfach wäre. Die Frage bleibt aber im Raum, wie viel Zeit würden wir brauchen, damit es allen reicht? Und wer erhält wie viel, die einen mehr als die Anderen, und wieso?

Refrain: Herr lass deinen weisen Schluss
alle Menschen hören:
Dass es anders werden muss
aber nicht durch Zeit vermehren!
Hast du doch zum Leben jedem
wirklich Zeit genug gegeben!
Wer sie nützt und teilt gut ein,
kann damit zufrieden sein.

Mit dem Refrain kommt die Antwort auf unsere Klagen. Wer seine Zeit gut einteilt, die verfügbare Zeit nutzt, der kann mit seinem Leben zufrieden sein. Wir sollen nicht immer nur mehr von anderen fordern, sondern vielleicht auch einmal bei uns selber schauen. Unser Leben wurde uns geschenkt; was wir damit machen, dürfen wir selber entscheiden. Ob wir uns am Rummel oder dem Stress vor Weihnachten aussetzen, liegt allein an uns.

Allen wünsche ich im Namen der Pfarrei eine nach der eigenen Zeiteinteilung besinnliche Zeit und eine frohe Weihnacht. Zeit dafür haben wir genug erhalten und wir können und sollen damit zufrieden sein.

Roland Grütter, Pastoraler Mitarbeiter

 

 

zum November 2017

 

Gerufen zu einem Leben in Fülle

 

Wir Menschen sind nicht zu irgendeinem Leben gerufen, sondern zu einem Leben in Fülle. Dafür, so sagt es Jesus in der Bildrede vom guten Hirten im Johannesevangelium, ist er in die Welt gekommen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10).

Die zitierten Jesu Worte stelle ich in Verbindung mit dem Sakrament der Taufe. Immer wieder bin ich beeindruckt, wenn ich auf den Namen des Täuflings das Sakrament der Taufe spende. Der Empfang der Taufe ist der Beginn der grossen Lebensbeziehung zwischen dem Menschen und Gott. Der Vorname begleitet uns ein Leben lang: „von der Krippe bis zur Bahre“. Bei der Spendung des Taufsakramentes wird der Täufling in Christi Tod und Auferstehung eingetaucht. Auch der Völkerapostel Paulus nimmt konkret Bezug auf die Gemeinschaft der Getauften mit Christus (Römer 6,1 - 14).

Allerheiligen und Allerseelen sind mehr als Gedenktage für unsere Verstorbenen.

Es sind auch Tage der Erinnerung, dass ich durch mein Getauft sein in die Liebesgeschichte Gottes mithineingenommen bin. Der Pastoraltheologe Paul Zulehner formuliert dies treffend so: „Kernaufgabe der Kirche ist es, den Menschen in die Tiefen seines eigenen Lebens zu führen, vor jenes Geheimnis, welches das Leben im Grunde immer schon ist: Die Liebesgeschichte Gottes mit dem je einmaligen Menschen.

Ja, ich bin zu einem Leben in Fülle gerufen! Aus der Lebensbeziehung zwischen Gott und uns Menschen entsteht die Sehnsucht nach Liebe, Frieden und Gerechtigkeit. In diese Beziehung Gottes ist auch die vielseitig, zeitlich und begrenzte zwischenmenschliche Beziehung eingebettet. Im Gedenken an die Verstorbenen erinnere ich mich an Wegstrecken, die ich mit ihnen gegangen bin. Verschiedene Lebensgeschichten und Liebesbeziehungen verbinden mich mit ihnen. Nun, ich weiss, dass das Leben zeitlich begrenzt ist. Dabei trägt mich der Glaube, dass nach meinem irdischen Dasein die „Fülle des Lebens“ bei Gott erwartet. Mit dem Propheten Jesaja kann ich glauben, dass  (Jesaja 49,1).

Gerufen sein beim Namen ist etwas Wunderbares. Dieses Gerufen sein lässt mich spüren, dass ich nicht allein gelassen bin. Es ist „jemand“ da, der mit mir lacht und mit mir weint, der in meinem irdischen Dasein den Weg mit mir geht. Darum ist Allerheiligen, Allerseelen für mich nebst dem Gedenken an die Verstorbenen ebenso die Erinnerung daran, dass mein Leben kein Besitz sondern ein Geschenk ist. Wenn ich an meine eigene Begrenztheit denke, erinnere ich mich an die Worte von Tina Willms: „Einer ruft meinen Namen, in seinem Täschel trägt er ein lebendiges Bild von mir, dazu Worte, die meine Wunden verbinden. Leicht legt er mich auf seine Schultern und holt mich zurück zu mir und nach Hause.“ Das ist auch die „gute Nachricht“ in der Bildrede Jesu „vom guten Hirten“.

Dem Tod kann ich nicht entgehen, aber ich kann das Leben erfahren und mich berühren lassen von der Kraft des Lebens, die mich durch das Eingangstor in die Fülle des ewigen Lebens führt. Wie die Verstorbenen zu dieser Fülle des Lebens gerufen sind, sind auch Sie und ich gerufen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Leben!

Heinz Hofstetter, priesterlicher Mitarbeiter Nottwil

 

 

zum Oktober 2017

Herbstliches Spiel von Licht und Schatten

 

In der beginnenden Herbstzeit können wir in vielerlei Facetten der Natur das leichte Lichtspiel bewundern. Wir dürfen es erleben am Wasser, in den Bergen, im Weinberg, auf Reisen, daheim, wo immer…

Schatten und Licht erfahren wir in täglichen Begegnungen, Gesprächen mit vertrauten oder fremden Menschen, bei unterschiedlichen Meinungen, auch mit Mitmenschen anderer Nationen… 

 Schatten und Licht liegt in Vergangenem und dem, was neu aufbrechen und Frucht bringen will –  es hält uns in Bewegung, auch innerlich.

Schatten und Licht – für uns Christen zum Lebensweg gehörend, in den Spuren Christi, hoffend, glaubend, liebend.

In den herbstlichen Wochen unterwegs, Licht und Kraft tankend, sammeln wir Eindrücke und Erfahrungen, wie kostbare, zerbrechliche Lichtperlen. Vielleicht „wärmen“ uns die wertvollen Erinnerungen in den kommenden Wintermonaten

Wie kann noch mehr Licht – heller Tag werden in uns, in den Familien, am Arbeitsplatz, in unserer Pfarrei? Wie wird unser gastfreundschaftliches Zusammensein einladend; ein „Klangspiel“ im Miteinander, wo jeder sein Solo einbringt mit dem, was er ist und hat und es weiterschenkt!?

Eine bodenständige Antwort las ich letztens bei einem unbekannten, jüdischen Rabbi, der sagt: „Licht wird in uns, wenn wir in ein menschliches Gesicht schauen und wir in diesem Gesicht wirklich unser Bruder, unsere Schwester erkennen.“

Viel Freude beim Entdecken, in Begegnungen!

Sr. Marianne Rössle, Seelsorgerin

 

 

zum September 2017

Im Herbst des Lebens werden geistige Früchte reif

Nicht nur beim Obst, sondern auch beim Menschen reden wir von reif und reif. Bei beidem ist Reifen ein innerer Prozess. Es ist unsere Aufgabe, ganz Mensch zu werden, uns mit unseren Anlagen und Fähigkeiten zu entfalten, so wie Gott uns gedacht und gewollt hat.

Spätestens im Alter - dem Herbst des Lebens - fallen gewisse angeeignete, antrainierte, aber nicht wirklich integrierte Haltungen weg. Der Mensch zeigt sich zunehmend in seinem Charakter, wie er wirklich ist. Er hat auch nicht mehr die Kraft, sich hinter äusseren Formen und Normen, hinter angelernten Fassaden zu verstecken. Ich meine, er wird durch das Alter irgendwie ehrlicher. Seine geistigen Früchte kommen im Herbst des Lebens zum Vorschein. Allerdings nur, wenn sie bereits im Frühling gesät und immer wieder gehegt und gepflegt wurden. Gewiss kann man auch im Sommer oder im Winter des Lebens noch säen. Klar auch, dass wir uns im Leben für eine bestimmte Haltung und Lebensführung engagieren und interessieren müssen, damit wir im Alter ausgeglichen, zufrieden, harmonisch und gelassen sind und so eine Art Wegweiser für jüngere Menschen werden können.

Eine ältere Person kann aus der Erfahrung ihres eigenen Lebens jüngere Menschen aufmerksam machen, was Fehler zur Folge haben können, wie man unnötige Sorgen und Probleme vermeiden kann, wie mit Menschen gerecht umzugehen ist, die anders denken und fühlen. Das Problem ist, dass viele aus der Geschichte oder der Vergangenheit anderer Menschen kaum etwas lernen. Nicht nur Jüngere wollen die Erfahrungen selber machen, wollen spürbar lernen, was es heisst, zu versagen und neu anzufangen. Sie meinen, andere in ihrer Krankheit erst verstehen zu können, wenn sie selber auch krank waren.

Der Evangelist Matthäus berichtet: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen". Er warnt dabei vor falschen Propheten, von dunklem nicht klarem, nicht leicht einsehbarem Wirken. Der gute Baumboden wird gute Früchte hervorbringen. Die Qualität des Unsichtbaren offenbart sich im Endprodukt. Früchte sind demnach sichtbare Endprodukte eines gütigen Lebens, das sich unsichtbar in der geheimen Tiefe des Einzelnen vollzieht. Früchte sind Sammelgut von Erkenntnissen, von undurchschaubaren Vorgängen, von einer Reifung, die einfach geschieht. Reifung ist letztlich ein Geschenk, eine Gabe, nicht berechnet oder garantiert, sondern obendrauf gegeben.

 Der Apostel Paulus schreibt von der Frucht das Heiligen Geistes in der Einzahl, zählt dann aber ganz verschiedene Gaben als Früchte auf: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung (Gal 5,22).

Gerade die Begegnung mit Menschen, die den Zenit des Lebens hinter sich haben, offenbart eine Fülle von Früchten, wie sie uns die Natur im Herbst schenkt. So meint der Franziskaner Xaver Trachel: "Der hektische Alltag ist Vergangenheit. Eine ruhigere Zeit beginnt. Die Arbeit ist getan, die Ernte eingefahren. Der Kampf um Positionen hat ein Ende gefunden. Der Genuss der erarbeiteten Güter kann beginnen. Der reiche Erfahrungsschatz erlaubt ein leichteres Gehen in den Alltag. Die Ruhe wird als Geschenk erfahren. Eine tiefere Liebe kann über menschliche Emotionen hinausgehen und eine neue Lebensschau und Werteskala offenlegen. Auch Beziehungen erfahren eine neue Tiefe."

So wünschte ich, dass uns der anbrechende Herbst zum Wesentlichen führt und uns die Freude über jede reife Frucht ins Gesicht treibt.

 Hans Schelbert, Gemeindeleiter a.i.

 

 

 

zum August 2017

Heimatgedanken

Jedes von uns feiert irgendwann einmal im Jahr, Geburtstag. Auch unsere Heimat feiert ihren Geburtstag – dies landesweit am 1. August.

Für mich ist dieser Feiertag immer wieder ein besonderer Tag. Nicht wegen des öffentlichen Ruhetages; nicht wegen der Lampions, Feuerwerke und Raketen die an diesem Tag/Abend zu abertausenden in den Himmel steigen, sondern, weil er mich demütig und zugleich freudig daran erinnert, als freier Mensch mein Leben gestalten zu dürfen. Man kann es auch Heimatgefühl nennen, getragen von der grossen Dankbarkeit unserem Herrgott und Schöpfer gegenüber.

Denn, wie grosszügig ist unser Land mit Frieden und Freiheit gesegnet; wie einmalig sind seine Landschaften: Berge und Seen, wie vielfältig die Menschen, Kulturen und Traditionen.

Unverkennbare Werte, die unser Land, unser Menschsein prägen und formen; so immens lebenswert, kostbar und „reich“ machen.

Werte, für die es sich lohnt, in Gesellschaft; Welt und Kirche stark zu machen und auch mit anderen zu teilen. Denn, für viele Menschen weltweit ist es keine Selbstverständlichkeit in Frieden und Freiheit zu leben.

Wie bereits in den vergangenen Jahren, feiern die politische und die kirchliche Gemeinde von Nottwil den Geburtstag unserer Heimat am 31. Juli in der Badi am Sempachersee.

Die Feier beginnt um 18.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, indem wir für unsere Heimat und für den Frieden in der Welt, beten. Anschliessend sind alle zur „weltlichen Geburtstagsfeier“ geladen. Schon bald spiegeln sich die ersten Lichter im See und bei Speis und Trank, Gesprächen und in alt/neuen Begegnungen kommt man sich näher. Ein „kleines Stückchen Heimat“ am See und – Heimatgefühl – verbindet Menschen, verbindet Dorf und Land mit der Welt, verbindet Kulturen und Religionen. Heimatgefühl gibt Sicherheit, Kraft und Perspektive, schenkt Geborgenheit und ein Getragensein, auch im Glauben. Denn für uns Christinnen und Christen verheisst ja der Glaube, neben der irdischen Heimat hier, einst auch eine ewige Heimat bei Gott!

Der 726. Geburtstag unserer Heimat steht vor der Tür. Ich freue mich auf die Feier und bringe dem Geburtstagskind natürlich auch ein Geschenk mit: nämlich meine Anerkennung; meine Freude und Dankbarkeit, eingepackt in ein buntes multikulturelles Geschenkpapier unseres vielfältigen Menschseins und Lebens. Und: ich wünsche unserer Heimat alles Gute, wünsche ihr Weitblick und Offenheit, wünsche ihr Einheit; Frieden und Gottes Segen, damit auch in Zukunft Menschen weltliche wie auch himmlische Heimatgefühle in ihr erfahren können!

Anita Troxler

 

 

zum Juli 2017

 

Den Schönheiten des Lebens

Gott begegnen

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge; Mond leuchtend über den Bergen und Tälern, verborgenes Blühen von Blumen, die ins Staunen versetzen; Schmetterlinge, die ihre Flügel aufschlagen mit ihren seidenen Flügeln; Stimmen von Vögeln, die mit ihrem Gesang Wohlgefühl verbreiten; blühende Heide, die wohlriechenden Duft verbreiten; ferne Gipfel, die da majestätisch stehen seit „Urzeiten“; Bergseen wie „blaue Augen dem Himmel aufgetan“. Die Schönheiten der Natur entdecken und in ihnen Gott begegnen.

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Ein herzliches Kinderlachen, das tiefe Zufriedenheit ausstrahlt; ein freundliches Wort zur rechten Zeit, das Trost spendet; das Reichen einer Hand, die einen Menschen aufrichtet; das Schenken von etwas „Zeit“, die Leben bedeutet; ein Besuch, der viel Freude bringt; eine Aufmerksamkeit, die die Wertschätzung spüren lässt. Irgendwie fällt in all diesen Schönheiten der Schimmer des Göttlichen in eine Menschenseele.

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Wolken ziehen dahin und verwandeln sich in wunderbarerweise; eine Mücke zwischen den Stämmen schwebend, die einem einfallenden Sonnenstrahl aufschimmert, als sei sie selbst ein Funke geworden, ein winziges Licht; Jeder Lichtstrahl preist den Herrn, enthüllt ein wenig von der Schönheit, die Gott über die Erde ausgebreitet hat. Ja, in den Schönheiten des Lebens Gott begegnen. Und, was sind für Sie die Schönheiten des Lebens? Ich weiss, jeder Mensch definiert die „Schönheiten des Lebens“ auf seine je eigene Weise. Wichtig scheint mir, auf die wahren Werte zu achten, die dem Leben die Schönheiten verleihen. Wie oft wird ein schöner Sonntag oder ein schönes Wochenende gewünscht, einen schönen Abend oder was zurzeit sehr aktuell ist, schöne Ferien! Doch was meinen wir mit all den sogenannten „schönen Wünschen“? So schnell sind „schöne Wünsche“ ausgesprochen; oder wie spontan sprechen wir die Worte: „o ist das Schön …!“ Ja, gewiss ist Schönheit relativ und ebenso eine individuelle Wahrnehmung.

Was ich auch immer als Schönheit definiere, erfahre und geniesse, geht es letztlich um die eigene innere Erkenntnis, die mich glücklich und dankbar macht. So kann ich das Schöne immer wieder neu entdecken und staunen über die wunderbaren „Dinge des Lebens“ – und so dem Göttlichen begegnen!

 

„Ich wünsche dir

Musse für die schönen Dinge,

die du schon immer tun wolltet.

Nimm dir die Zeit für das,
was dir Freude macht,

was dir neue Kraft gibt,

was deinem Leben einen Sinn gibt.“

(Albert Bichler)

 

 Mit den Worten von Albert Bichler wünsche ich Ihnen eine schöne und gesegnete Zeit!

Heinz Hofstetter, priesterlicher Mitarbeiter

 

 

 zum Juni 2017

Mitten im Leben

Viele Menschen besinnen sich auf Gott, wenn es ihnen nicht so gut geht. Erst wenn sie mit der Lebensbewältigung an Grenzen stossen, kommen sie auf die Religion zurück. In der Bibel aber zeigt Gott, dass er den Menschen nicht nur in der Not, sondern mitten im Leben nahe sein will. Auch Erstkommunionkinder und Firmanden lehren es uns je neu.

Mitten im Leben muss Gott erkannt werden, in Gesundheit und Kraft und nicht erst im Leiden", sagt auch der jüdische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Ein Blick in unsere Lebenswelt zeigt allerdings, dass diese Erkenntnis oft recht wenig greift. Die Bedürfnisse werden selbstverständlich mit Geld und Beziehungen befriedigt. Irgendwelchen göttlichen Gesetzen nachzuleben erachten viele als unnötig und gar hinderlich. Die Erfolgreichen erbringen ihre Leistungen aus eigener Kraft. Dazu brauchen sie keinen Gott. Es scheint, dass Gott für den Menschen in Gesundheit und Kraft - um mit Bonhoeffer zu reden – eine oft geringe existenzielle Bedeutung hat. Wozu beten und in die Kirche gehen – ich habe ja alles.

Die Erfahrung zeigt, dass niemand dauerhaft von Erfolg und Glück satt wird. Mit Gott bezeichnen wir nichts Oberflächliches, sondern eine Wirklichkeit, die Sinn und Tiefe schenkt. Gott kann zufrieden machen, denn unser Herz ist unruhig, bis es ruhet in ihm. Wer Gott "im Saft des Lebens" sucht, sieht Freud und Leid mit andern Augen. Er wird dankbar, froh und gütig mit den Mitmenschen. Er hadert oft ebenso, doch ist Gott für ihn kein Zauberer in Not und wird nicht als Feuerwehrmann angerufen.

Ein glaubender Christenmensch kann und darf nicht über das Leid all überall hinwegsehen. Doch wenn es ihn trifft, hat er die Gewissheit, dass Gott für ihn da ist. "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen", sagt Psalm 50. Und der Mystiker Meister Eckehard versucht diese unerklärliche Nähe Gottes zu deuten, wenn er schreibt: "Oh, merket wohl, alle nachdenklichen Gemüter: das schnellste Ross, das euch zur Vollkommenheit trägt, ist Leiden. Niemand geniesst so viel ewige Seligkeit, als die mit Christus in der göttlichen Bitterkeit stehen. Denn Liebe bringt Leid – und Leid bringt Liebe".

Wer mitten im Leben mit Gott unterwegs ist, versucht ihn also in Freud und im Leid zu sehen. Gerade die Zeit um Pfingsten ruft uns alle Jahre zu, über das göttliche Wirken in der Welt nachzudenken. Wir feiern den Heiligen Geist Gottes. Wir freuen uns mit den Jugendlichen an ihrer Firmung, die sich in guter Gemeinschaft mit diesem Geist stärken lassen. Wir bitten für die Kirche um seine sieben Gaben: Den Geist der Weisheit und der Erkenntnis, der Einsicht, des Rates und der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. Wie wohltuend, sich den entscheidenden Lebensfragen nicht erst in Panikstimmung und Todesnähe zu stellen. Wie erfreulich, "mit Herzen, Mund und Händen" die je eigene Berufung und Bestimmung auf Erden neu zu erkennen und freudig zu leben.

Hans Schelbert, Gemeindeleiter